GAIA Energie Forum bringt Politiker im Gleis4 in Frankenthal zusammen – Unterschiede zeigen sich bei Schwerpunkten und Umsetzung
Frankenthal – Wie kann der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz gelingen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Energieforums „Politik im Dialog – Energie für Rheinland-Pfalz“, zu dem das Lambsheimer Unternehmen GAIA am 25. Februar 2026 in das Kulturzentrum Gleis4 nach Frankenthal eingeladen hatte. Sechs Vertreter von Parteien, die in den neuen Mainzer Landtag einziehen wollen, diskutierten vor rund 90 Gästen im Saal sowie weiteren Zuschauern im Livestream über Wege zur Energiewende im Land. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Fernseh- und Radiojournalisten Harald Bürk.

Podiumsdiskussion im GAIA Energie Forum, v. l. n. r. : Patric Müller (SPD), Markus Wolf (CDU), Stefan Thoma (FDP), Moderator Harald Bürk, Fabian Ehmann (Grüne), Jerome Frantz (Die Linke), Patrick Kunz (Freie Wähler).
Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Zum Auftakt der Veranstaltung betonte GAIA-Geschäftsführer Torsten Szielasko die Bedeutung eines offenen Austauschs über die Zukunft der Energieversorgung. Er hob hervor, dass erneuerbare Energien nicht nur ein zentraler Baustein für den Klimaschutz seien, sondern auch wirtschaftliche Chancen für die Region böten. Sie verringerten die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten, stärkten die regionale Wertschöpfung, förderten Innovationen und sicherten Arbeitsplätze. Ein aktuelles Perspektivpapier des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE) zeige, dass bis 2030 eine Nettowertschöpfung von rund einer Milliarde Euro in Rheinland-Pfalz möglich sei. Gleichzeitig erhöhten sie durch ihre dezentrale Struktur die Resilienz von Wirtschaft und Gesellschaft.
Der Projektentwickler GAIA, sieht die Branche jedoch auch vor Herausforderungen. Sinkende Einspeisevergütungen, begrenzte Flächen für Windenergie sowie komplexe Genehmigungsverfahren erschwerten neue Projekte. Hinzu kommen technische und infrastrukturelle Faktoren wie Netzengpässe zwischen dem Nordpfälzer Bergland und der Region Frankenthal sowie Vorgaben etwa durch Naturschutz, militärische Einrichtungen oder seismische Messstationen. „Für die Branche in Rheinland-Pfalz seien klare politische Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und Unterstützung durch die künftige Landesregierung entscheidend“, sagte Szielasko.

Torsten Szielasko, Geschäftsführer von GAIA, begrüßt die Gäste des GAIA Energie Forums in Frankenthal.
Energiewende im globalen Kontext
Den fachlichen Impulsvortrag hielt Dr. Tobias Büttner, Geschäftsführer der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. Er ordnete die Energiewende in einen globalen Kontext ein und verwies auf eine weltweit steigende Energienachfrage bis 2050.
Dr. Büttner betonte, dass Deutschland zwar ambitionierte Ziele verfolge, die Umsetzung jedoch noch Nachholbedarf habe. Für Rheinland-Pfalz zeige sich ein gemischtes Bild: Während die Photovoltaik stark wachse, hinke der Ausbau der Windenergie hinterher. Als Herausforderungen für neue Projekte nannte er unter anderem Genehmigungsverfahren, Natur- und Artenschutzauflagen, militärische Belange sowie Verzögerungen beim Netzanschluss.

Dr. Tobias Büttner, Geschäftsführer der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, gab beim GAIA Energie Forum einen Impulsvortrag zu Klimaschutz und Energiewende – global, bundesweit und in Rheinland-Pfalz.
Politik diskutiert Strategien für Rheinland-Pfalz
Im politischen Panel diskutierten Patric Müller (SPD), Markus Wolf (CDU), Fabian Ehmann (Bündnis 90/Die Grünen), Stefan Thoma (FDP), Patrick Kunz (Freie Wähler) und Jerome Frantz (Linke) über den Ausbau erneuerbarer Energien in Rheinland-Pfalz. Alle bringen durch Ausbildung und aktuelle Ämter fundierte Expertise im Energie- und Klimabereich mit.
Als Einstieg brachte Moderator Bürk die aktuellen Bundesentscheidungen in die Diskussion ein, darunter das geplante „Netzpaket“ von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, das Entschädigungen bei Netzüberlastung abschaffen soll, sowie die geplante Abschwächung des EE-Zwangs beim Neubau von Heizungen.

Rund 90 Gäste verfolgten die Podiumsdiskussion des GAIA Energie Forums im Gleis4 in Frankenthal vor Ort, weitere Zuschauer nahmen über den Livestream teil.
Einigkeit bestand darin, dass erneuerbare Energien für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung unverzichtbar sind. Unterschiede zeigten sich vor allem bei der sozialen Verteilung der Kosten, der Bürgerbeteiligung, der Wärmeversorgung und dem Einsatz neuer Technologien.
Mehrere Teilnehmer betonten, dass Kommunen und Bürger stärker von Energieprojekten profitieren sollten. So sprach sich Fabian Ehmann, Sprecher für Energie und Klima, Waldpolitik, Europa und Jugendpolitik der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz., für eine stärkere finanzielle Beteiligung von Gemeinden und Einwohnern an Windenergieprojekten aus . Jerome Frantz, Co-Sprecher der Linke und ehemaliges Mitglied im Werksausschuss VG Schweich, hob hervor, dass erneuerbare Energien auch Chancen für soziale Gerechtigkeit und regionale Wertschöpfung bieten könnten.
Patrick Kunz, Stellvertreter Vorsitzender der Parlamentarischen Gruppe FREIE WÄHLER, verwies auf die Bedeutung klarer Regeln und weniger Bürokratie, damit Kommunen und Bürger eigene Energieprojekte leichter umsetzen können. Stefan Thoma, Vorsitzender des parteiinternen Landesfachausschuss Umwelt, Bauwesen und Stadtplanung, betonte, dass energiepolitische Veränderungen nur dann Akzeptanz fänden, wenn sie gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gestaltet würden. Markus Wolf, Obmann der CDU-Landtagsfraktion im Ausschuss für Klima, Energie und Mobilität, plädierte dafür, neben Wind- und Solarenergie auch stärker andere erneuerbare Quellen wie Wasserkraft, Biomasse und Tiefengeothermie einzubeziehen.

Michael Wahl, Geschäftsführer von GAIA, verabschiedet das Publikum vor Ort und im Live-Stream mit einem Schlusswort und betont die Chancen von Rheinland-Pfalz für die Energiewende.
Energiewende als gemeinsame Aufgabe
Zum Abschluss der Veranstaltung betonte GAIA-Geschäftsführer Michael Wahl die Bedeutung eines kontinuierlichen Austauschs zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Rheinland-Pfalz verfüge über große Potenziale – sowohl in der Innovationskraft seiner Unternehmen als auch in der Bereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger, die Energiewende mitzugestalten. „Lassen Sie uns den heutigen Austausch nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt verstehen“, sagte Wahl. „Die Herausforderungen von Klimaschutz und Energiewende werden wir nur meistern, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin im Gespräch bleiben.“
Die gesamte Podiumsdiskussion können Sie unter folgendem Link ansehen: Video Podiumsdiskussion

